Initiative Düssel-West begrüßt Positionen der Bürgermeister-Kandidaten

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Die Bürgerinitiative begrüßt die Aussagen der Bürgermeister-Kandidaten in Wülfrath zu den Plänen für "Düssel-West". Foto: Hans-Joachim Kling

Wülfrath. Mit “Erleichterung und Respekt” nimmt die Bürgerinitiative (BI) Düssel-West zur Kenntnis, dass alle vier Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters “eine Bebauung ökologisch wertvoller Außenflächen wie Düssel-West ablehnen und grundsätzlich oder zumindest für viele Jahre ausschließen”.

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Die BI hatte die Kandidaten Andreas Seidler (CDU), Rainer Ritsche (parteilos, unterstützt von SPD und WG), Stephan Mrstik (Grüne) und Benjamin Hann (parteilos) jeweils zu  Einzelgesprächen eingeladen und die von den Kandidaten autorisierten Antworten anschließend dokumentiert.

„Wir danken den vier Politikern sehr für die durchgehend konstruktiven und angenehmen Gespräche, die sich im Stil wohltuend von den Äußerungen einzelner Ratsmitglieder in der Vergangenheit abgehoben haben“, zieht BI-Sprecher Reinhardt Weniger Bilanz und fügt hinzu: „Wir und hunderte Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Initiative fühlen uns bestätigt in unserer Zielsetzung, die Mega-Bebauung einer wertvollen Ackerfläche mit fatalen ökologischen wie ökonomischen Folgen für Düssel und die Stadt Wülfrath insgesamt dauerhaft zu verhindern.“ Die Arbeit der vergangenen Monate und Jahre habe sich offenbar gelohnt, so Weniger.

Den schriftlich vorliegenden autorisierten Antworten der Kandidaten ist nach Mitteilung der Inititiative zu entnehmen, dass sie sich alle zu dem Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ bekennen. Die BI hatte in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass Wülfrath Baureserven von fast 800 Wohneinheiten besitze, ohne dass hierzu neue Baugebiete ausgewiesen werden müssten. Nach der erfolgten Regionalplanänderung sei es nun Sache der Stadt Wülfrath zu entscheiden, ob neue Flächen versiegelt werden sollen oder nicht. Weniger: „Der Ball liegt hier bei uns.“

Seidler: Mit mir als Bürgermeister wird es keine Bebauung in Düssel-West geben

CDU-Kandidat Andreas Seidler weist selbst auf den geltenden Ratsbeschluss zur „Innen- vor der Außenentwicklung“ hin und bekennt sich noch einmal ausdrücklich dazu. Dies bedeute „gesundes Wachsen in bauleitplanerisch bestehenden Ressourcen“. Bei Düssel-West würde es sich um eine „komplett neue Siedlung in Düssel“ handeln, die mit dem ursprünglichen Dorf „kaum noch etwas zu tun“ habe. Daher werde es mit ihm als Bürgermeister „in den kommenden zehn Jahren keine Bebauung auf der Fläche Düssel-West geben“. Es handele sich hier um eine Wohnbaulandfläche „für in etwa 15 bis 25 Jahren“. Die Bezeichnung „Wohnen am Rhein“ hält Seidler nach eigener Aussage für „unsäglich“.

Ritsche: Fühle mich dem Prinzip Innen- vor Außenentwicklung selbstverständlich verpflichtet

Etwas zurückhaltender, aber mit gleicher Stoßrichtung äußert sich der Kandidat von SPD und Wülfrather Gruppe, Rainer Ritsche, Kämmerer und Erster Beigeordneter der Stadt. „Großflächige Entwicklungen halte ich nur um den Wülfrather Stadtkern herum für zielführend beziehungsweise wünschenswert“, gibt er zu Protokoll. Auch er fühle sich dem Prinzip Innen- vor Außenentwicklung „selbstverständlich verpflichtet“. Wichtig sei ihm, die Einwohnerzahl Wülfraths oberhalb von 22.000 zu stabilisieren. Ein maßvolles Wachstum wie etwa auf dem Sportplatz Düssel, von der BI immer wieder als Alternative angemahnt, sei als Entwicklung „in begrenztem Umfang möglich“. 

Mrstik: Ich will kein Baugebiet Düssel-West

Grünen-Kandidat Stephan Mrstik sieht dagegen keine Notwendigkeit für ein Bevölkerungswachstum Wülfraths: „Wir brauchen nicht mehr Einwohner“. Denn die Schulden blieben. „Mit der Größe einer Stadt nehmen die Probleme eher zu.“ Für Mrstik ist ganz klar, dass die realisierbaren Flächen im bestehenden Siedlungsbereich der Hauptortslage Wülfrath ausreichen. „Ich will kein Baugebiet Düssel-West jetzt und ich sehe auch keinen einzigen Grund, wieso das in Zukunft Sinn machen soll.“

Hann: Regionalplanänderung „Wohnen am Rhein“ schockierend

Nach eigener Aussage noch immer „schockiert“ zeigt sich der parteilose Kandidat Benjamin Hann von der 1. Regionalplanänderung „Wohnen am Rhein“. Vor allem die neuen regionalplanerisch vorgesehenen Bereiche Düssel-West und In den Eschen seien überzogen. „Derartige bauliche Entwicklungen sind verbunden mit abzulehnenden Versiegelungen, da ja unter anderem die verkehrlichen Anbindungen und Ausbauten dafür völlig unberücksichtigt geblieben waren.“

Kandidaten wollen Planungshoheit nicht an Investoren abgeben

Aus Sicht der BI begrüßenswert skeptisch zeigen sich alle Kandidaten bei der Frage, welche Rolle künftige Investoren bei der Bauleitplanung neuer Gebiete spielen könnten. Ritsche gebe  sich fest überzeugt, „dass Stadtplanung in die Hände der Stadt gehört“. Externe Dienstleister könnten hier nur die „verlängerte Werkbank“ des städtischen Planungsamts sein, das künftig allerdings personell deutlich besser aufgestellt werden müsse. Auch Mrstik favorisiere eine interne Planung. „Es müssen jedoch die Ressourcen im Rathaus vorhanden sein.“ Hann finde, „dass wir auf jeden Fall in Wülfrath das Heft in der Hand behalten müssen“. Nur Seidler könne sich in neuen Gebieten wie Düssel-West einen „Investorenwettbewerb“ vorstellen.

„Zauberberg“ nur ein Ablenkungsmanöver?

Erneut bringe Seidler den „Zauberberg“ ins Spiel, der gegen Düssel-West als Baufläche eingetauscht werden könnte. An das Gelände der ehemaligen Klinik Aprath müsse man „mal ran“. Ritsche halte das für unrealistisch und sehe darin eher eine Verführung der Wähler in Düssel, zumal in der CDU ja auch über eine Forensik an gleicher Stelle nachgedacht werde.

BI Düssel-West optimistisch, aber wachsam

„Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass die Bürgermeister-Kandidaten in der Fläche Düssel-West weder jetzt noch langfristig geeignetes Bauland sehen“, fasst BI-Sprecher Weniger zusammen. „Gut so!“ Dies sei jedoch „kein Grund, sich nun zurückzulehnen“.

Sicher habe ein künftiger Bürgermeister aufgrund der direkten Legitimierung durch die Wähler politisch ein hohes Gewicht. Die letzte Entscheidung treffe jedoch immer der Rat der Stadt.

„Wir erinnern uns: Außer Grünen und Linkspartei haben CDU, FDP, SPD und WG im Rat für eine Änderung des Regionalplans und damit für das angebliche neue Wohnen am Rhein gestimmt“, so Weniger. Im Falle eines Falles werde die BI den künftigen Bürgermeister und die ihn unterstützenden Parteien aber an die von der BI schriftlich dokumentierten eigenen Aussagen zu Düssel-West erinnern. „Wir bleiben, bei allem Optimismus, wachsam.“

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