Kunststoffverarbeiter Lüttgens baut Stellen ab

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Heiligenhaus. Der Heiligenhauser Kunststoffverarbeiter Lüttgens hat eine Neustrukturierung seines Unternehmens angekündigt. In Heiligenhaus werden im Mai 2020 68 Stellen abgebaut. Der Standort soll zum Technologiezentrum umstrukturiert werden. 

Das mittelständische Kunststoff-Spritzguss-Unternehmen Lüttgens verlagert seine komplette Serienproduktion von technischen Kunststoffteilen für die Automobilindustrie, Elektro- und Elektronikindustrie und den Maschinenbau in das Zweigwerk in den polnischen Masuren. Der Standort Heiligenhaus wird nach der geplanten Teilbetriebsschließung, die zum 31. Mai 2020 erfolgen soll, zukünftig als Technologiezentrum positioniert. Das teilt Geschäftsführer Holger Lüttgens mit. Demnach sollen Entwicklungs-, Konstruktions- und Vertriebsaktivitäten gebündelt werden. Es soll in neue Technologiebereiche investiert werden. Der Neuwerkzeugbau bleibt vor Ort bestehen.

“Das ist ein schmerzlicher Einschnitt für uns als Familienunternehmen. Wir haben unser polnisches Werk immer als Ergänzung zu unseren Tätigkeiten hier in Heiligenhaus gesehen und geführt, und entsprechend beide Standorte gleichberechtigt gefördert und entwickelt. In den letzten Jahren ist es uns hier trotz Fortschritten in der Produktivität nicht gelungen, Kostensteigerungen zu kompensieren und unter dem gewaltigen Preisdruck wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben”, erklärt Lüttgens.

Und weiter: “Unser Geschäftsmodell ‘Deutschland’ funktioniert nur noch bei Vollauslastung unserer Kapazitäten. Leider kann davon seit Monaten keine Rede mehr sein. Die Zerrissenheit im globalen Welthandel, die aktuelle Vollbremsung der Automobilhersteller aufgrund schrumpfender Märkte und die Unentschlossenheit der Politik in der Einordnung und Förderung neuer Technologien führen in diesem Jahr zu weiteren Absatzrückgängen von zehn bis 15 Prozent.”

Lüttgens sieht eine strukturelle Krise für das produzierende Gewerbe in Deutschland, und somit auch keine schnelle und nachhaltige Besserung der Geschäftslage: “Um das Unternehmen sicher in die Zukunft zu führen, und weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir den Weg dieser strukturellen Veränderung einschlagen. Wir bedauern, dass mit dieser Entscheidung zu Ende Mai nächsten Jahres 68 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden.” Das Unternehmen kündigt an, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um sozialverträgliche Lösungen zu kümmern.