Kinderschutzbund und Rotarier starten Projekt “Starke Mädchen – Starke Jungs”

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SIe machen sich stark für benachteiligte Kinder: Rotary-Präsident Dr. Michael Niklas, Diplom-Sozialpädagoge Marc Fischer, DKSB-Vorsitzende Prof. Dr. Gabriele Flösser und Rotary-Gemeindienstbeauftragter Dieter Jünnemann. Foto: André Volkmann
SIe machen sich stark für benachteiligte Kinder: Rotary-Präsident Dr. Michael Niklas, Diplom-Sozialpädagoge Marc Fischer, DKSB-Vorsitzende Prof. Dr. Gabriele Flösser und Rotary-Gemeindienstbeauftragter Dieter Jünnemann. Foto: André Volkmann

Mettmann. Anfang Oktober ist beim Mettmanner Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes das Projekt „Starke Mädchen – Starke Jungs“ gestartet, das vom Rotary Club Mettmann getragen wird.

Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts sollen sozialbenachteiligte Kinder in Kleingruppen für zwei Stunden pro Woche und bei Freizeitaktivitäten begleitet und dadurch in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Im Mittelpunkt stehe dabei die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge Marc Fischer, der die Mädchen und Jungen betreut. „Die Kinder kennen manche Dinge nicht“, sagt Fischer und sieht darin den pädagogischen Ansatz, um Defizite in der Erziehung auszugleichen.

Alltagsnah lernen seine Schützlinge, Unbekanntes kennen. Das weckt ihre Neugier, macht Spaß und verbessert ihre Fähigkeiten, sich konfliktfrei in sozialen Situationen behaupten zu können. „Das Sozialverhalten ist teilweise eine Katastrophe“, erklärt der Pädagoge. Theoretisch könne man den Kindern zwar viel vermitteln, praktische Erlebnisse seien hingegen besser. Und genau an dieser Stelle setzt das gemeinsame Projekt des Kinderschutzbundes und des Mettmanner Rotary Clubs an. Dem stimmt auch der Rotary-Präsident Dr. Michael Niklas zu: „Kinder lernen, Konflikte zu lösen, ohne gleich draufzuhauen“. Nur mit konkreten Projekten lassen sich Veränderungen herbeiführen, fügt Niklas an. Ganzheitlich sollen die Kinder lernen, vorzeitig Gefahren zu erkennen, mit modernen Medien umzugehen oder anderen zu vertrauen.

Auch die Eltern werden involviert, wann immer das möglich ist. So gibt es Eltern-Cafés, um den Austausch zu fördern oder regelmäßige Veranstaltungen, für die Eltern sich engagieren können und damit selbst aktiv werden. Eine zentrale Rolle spiele dabei auch die Vermittlung sprachlicher Kompetenzen, sagt Dieter Jünnemann, Gemeindienstbeauftragter der Mettmanner Rotarier. Der Club unterstützt mehrere Projekte, bei denen Sprache als Faktor für gelingende Integration dient. Auch internationale Austauschprogramme stehen dabei auf dem Programm: Jahr für Jahr reisen zwei Jugendliche aus Mettmann für ein ganzes Jahr ins Ausland, wo sie von einem lokal ansässigen Rotary Club betreut werden.

Dass sich Programme wie „Starke Mädchen – Starke Jungs“ lohnen, unterstreicht auch die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Prof. Dr. Gabriele Flösser. Sie leitet das Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit an der Technischen Universität Dortmund und ist Expertin auf dem Gebiet. Das Mettmanner Projekt hält Flößer für ein „Paradebeispiel für ein Projekt des DKSB“. Sie sieht positive Effekte, die sich aus der Arbeit mit den Kindern ergeben: „Trainings helfen nachweislich bei der Integration“. Die Geschäftsführerin des Mettmanner Kinderschutzbundes, Sylvia Nelskamp-El Mohammed, stimmt zu: “Wir sehen erste Erfolge unserer langfristigen Arbeit in Mettmann”. Und nicht nur das: Auch die nächste Generation wird bereits aktiv, erklärt Nelskamp-El Mohammed.

Damit Mädchen und Jungen unterstützt werden können, gibt der Rotary Club Mittel frei, die durch Spenden der Mitglieder und Veranstaltungen – etwa dem Wildschwein-Grillen oder der Foto-Aktion auf dem Blotschenmarkt – generiert werden. Finanziert wird das Gemeinschaftsprojekt zunächst für ein Jahr, bereits jetzt signalisiert der Club jedoch, möglicherweise ein weiteres Jahr anzuhängen – vorausgesetzt, es zeichnen sich auch Erfolge ab.

Nicht nur für die Mädchen und Jungen ist die Teilnahme an dem Projekt eine Chance. Insgesamt könne man durch derartige Maßnahmen „der Ellbogen-Gesellschaft entgegenwirken“, sagt Sozialpädagoge Marc Fischer. Was sich alle wünschen, ist mehr ehrenamtliches Engagement und Nachwuchs in den gemeinnützigen Vereinen – dann könnte noch viel mehr bewirkt werden.