Bauern: Der Klimawandel ist schon da

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Bilanz der Kreisbauernschaft: Ein "noch nie dagewesener Käferbefall" auf Rapsfeldern machte vielen Landwirten zu schaffen. Foto: Hans Braxmeier auf Pixabay

Kreis Mettmann. Böden zu trocken, Saatgut keimt nicht: Das gehört zu der Bilanz, die die Kreisbauernschaft für die Zeit von der Aussaat im Herbst 2018 bis zur Ernte 2019 zieht. „Bedingt durch die Dürre bis in den Herbst hinein gestaltete sich die Bodenbearbeitung und die Aussaat von Raps und Getreide sehr schwierig“, heißt es in dem Bericht, der am Donnerstag in Wülfrath vorgestellt wurde.

„Die Saatbedingungen waren nicht optimal und es wurde ein hoher Aufwand betrieben, um die Böden vorzubereiten und gute Bestände zu etablieren. Trotzdem ist die Arbeit auf vielen Flächen umsonst gewesen, da die Böden zu ausgetrocknet waren und das Saatgut nicht keimen konnte.

Als dann von Oktober bis Dezember endlich Regen fiel, konnten die Pflanzen endlich im Wachstum aufholen. Allerdings waren die Niederschläge zu gering, um das Wasserdefizit auszugleichen. Im Januar kamen noch größere Niederschläge hinzu, die aber zum Monatswechsel als Schnee fielen.

Einen richtigen Winter gab es nicht. Im Gegenteil: Die Temperaturen kletterten Mitte Februar auf einen ersten Wärmerekord! Dies führte zu einem noch nie dagewesenen Käferbefall in den Rapsfeldern! Landwirte, die dies ignorierten, hatten beim Raps einen Totalausfall!

Die Temperaturen blieben im gesamten Frühjahr über dem langjährigen Durchschnitt. Die Niederschläge waren zu gering, verteilten sich jedoch über die ertragsrelevante Zeit, wobei es jedoch zu großen regionalen Unterschieden kam.

Wo kein Regen fiel, hat natürlich während der Hauptwachstumszeit das Wasser gefehlt und die große Hitze enorm geschadet. So war in diesem Jahr kurioserweise nicht unbedingt die Bodengüte entscheidend, sondern der Standort der eine Regenschauer hatte!

Die Ernte der Wintergerste begann dadurch bedingt auf allen Böden – nicht wie normalerweise in der zweiten Juliwoche – schon im Juni. Allerdings waren die anderen Druschfrüchte auch viel eher erntereif, was zu einer kurzen und sehr intensiven Ernte führte. Insgesamt fielen die Ernteergebnisse aber trotz des widrigen, regionalen Wettergeschehens im Vergleich zu anderen Gebieten noch durchschnittlich aus, so dass die meisten Landwirte mit dem Wintergetreide noch zufrieden waren.

Anders sieht es mit Sommergetreide, Bohnen, Kartoffel, Zuckerrüben und Mais aus. Diese Kulturen werden im Frühjahr ausgesät bzw. gepflanzt und im Herbst geerntet. Die Pflanzen kamen zwar termingerecht in den Boden, entwickelten sich aber je nach Bodenqualität und regionaler Witterung sehr unterschiedlich. Bedingt durch die kurze Wachstumszeit und den regional ausgebliebenen Regen haben die Hitzerekorde Ende Juni, Ende Juli und Ende August den Pflanzen sehr geschadet. Bei der schon durchgeführten oder jetzt beginnenden Ernte dieser Kulturen ist von sehr schlechten Erträgen auszugehen!

Auch in diesem Jahr ist die Situation für die viehhaltenden Betriebe problematisch, da Mais und Gras wichtige Futtermittel darstellen. Die Maisernte startete in manchen Bereichen wesentlich früher als normal bei geringeren Erträgen.

Die notwendigen Grasschnitte fielen teilweise einfach aus. Erschwerend kommt hinzu, dass bereits frühzeitig aufgrund der Dürre des vergangenen Jahres viele Landwirte auf das Winterfutter zurückgreifen mussten, da die Felder nicht mehr genug Futter hergaben!
Für die Landwirte ist eins sicher: Der Klimawandel kommt nicht, er ist da! Diese ungewöhnlichen Witterungsverläufe der letzten beiden Jahre und die zunehmenden extremen Wetterereignisse sind der Beweis dafür!“