Nach dem Ersten Weltkrieg: Arbeiter- und Soldatenräte sorgen für Ordnung und Sicherheit in Velbert

55

Velbert. Die Arbeiter- und Soldatenräte, die sich vor etwa 100 Jahren, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bildeten und die Macht ergriffen, sind Thema im neuen Buch des Velberter Autors Henri Schmidt. Er stellt das Buch bei einem Vortrag am Donnerstag, 19. Juli, vor.

Meuternde Matrosen in Kiel und in Wilhelmshaven läuteten das Ende des Ersten Weltkriegs ein, indem sie sich den Befehlen der Seekriegsleitung widersetzten und nicht mehr gegen England ausliefen. Die Bewegung gewann in der kriegsmüden Bevölkerung schnell an Fahrt und führte innerhalb weniger Tage dazu, dass Reichskanzler Max von Baden und der deutsche Kaiser abdankten. MSPD-Vorsitzender Friedrich Ebert übernahm das Amt des Reichskanzlers, während sich überall im Reich die Arbeiter- und Soldatenräte bildeten.

„Über diese Zeit findet sich nichtallzuviel Literatur“, meint der Velberter Buchautor Henri Schmidt, der mit seinem fünften Buch, das gerade im Scala-Verlag erschienen ist, dazubeitragen will, diese Lücke zu schließen.
Das Buch trägt den Titel „Revolution in Velbert – Die Tätigkeit des Arbeiter- und Soldatenrates 1918/19 in Velbert“. Es beginnt mit einer allgemeinen Aufarbeitung des historischen Hintergrunds und geht im zweiten Teil auf die lokalhistorischen Geschehnisse in Velbert ein.

„In Velbert unterstellten sich Bürgermeister und Stadtverwaltung freiwillig einem Rat, der sich aus 17 Arbeitern und fünf Soldaten gebildet hatte“, hat Schmidt recherchiert. Der Arbeiter- und Soldatenrat hat eng mit der Stadtverwaltung zusammengearbeitet und sich dabei der fachlichen Versiertheit der Verwaltungsangestellten bedient.

Seine Hauptfunktion war, für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Er stand deshalb auch der Polzei und einer 150-köpfigen Schutzmannschaft vor, die sich zu diesem Zweck gebildet hatte. Es galt die Lebensmittellager zu schützen und die Verteilung der knappen Güter zu regeln. Es herrschte Wohnungsnot und der Rat regelte die Zuteilung des Wohnraums. Durchziehenden Truppen, auf ihrem Rückweg von der ehemaligen Westfront, gewährte die Stadt Unterkunft.

„Bis zu 8.000 Soldaten kamen an einem Tag in die Stadt und mussten auf Unterkünfte verteilt werden“, schildert Schmidt ein Ergebnis seiner Nachforschungen. Dafür wurde die Stadt sogar schön geschmückt. Auch das organisierte der Rat.

Nur ein paar Monate waren die Arbeiter- und Soldatenräte an der Macht. Obwohl dies nur „ein Hauch in der Geschichte ist“, kommt Autor Henri Schmidt zu dem Schluss, dass „in dieser Zeit Geschichte geschrieben wurde“.

Für sein Buch hat er hauptsächlich im Velberter Stadtarchiv recherchiert: „Jede Tageszeitung ist hier aufgehoben“, freut sich der 79-Jährige.
Sein Buch wird er am Donnerstag, 19. Juli, ab 19 Uhr bei einem Vortrag im Brauhaus Alter Bahnhof in Velbert vorstellen. Es ist für 14,50 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.