Unterstützung aus Spanien für die AS Glas- und Gebäudereinigung

Von Pamplona nach Velbert

22. Januar 2015, 17:03 Uhr

Eigentlich hat Carlos Gallego-Saiz mit seinem abgeschlossenen Tourismus-Studium eine gute Ausbildung in der Tasche. Dennoch fand der junge Spanier, genau wie die meisten seiner Altersgenossen, jahrelang keinen festen Job in seiner Heimat. An Sicherheit und Familiengründung war gar nicht zu denken. Die Firma „AS Glas- und Gebäudereinigung-Service GmbH“ in Velbert wiederum war auf der Suche nach motivierten Azubis und wurde in der Region einfach nicht fündig.

Lars Michalski, Geschäftsführer von AS Velbert (links), mit Azubi Carlos Gallego-Saiz, der aus Spanien in die Stadt der Schlösser gekommen ist.

Foto: Isabella Malecki
Velbert -

„Man hört ja ständig, dass junge Leute in Südeuropa auch mit guter Ausbildung praktisch auf der Straße sitzen. Da kam mir der Gedanke, unseren Nachwuchs dort zu suchen“, sagt Lars Michalski, der seit Juni Geschäftsführer bei AS ist. Sein Vorgänger Alfi Akbari, der selbst aus Persien nach Deutschland eingewandert ist, unterstützte diese Idee. Über das Jobportal der Europäischen Kommission suchten sie einen Auszubildenden für den Beruf des Gebäudereinigers und stießen auf Carlos.

Warum er sich ausgerechnet für diesen Job beworben habe? „Die Arbeit oder das Land waren gar nicht so entscheidend“, gibt er zu. „Ich wollte einfach die Chance bekommen, endlich richtig zu arbeiten.“ Und die bekam er in Velbert: Mit 29 Jahren fing der Spanier noch einmal eine Ausbildung an und machte gleich zu Beginn durch seine zupackende Art und seine hohe Einsatzbereitschaft von sich reden. „Der beste Azubi, den wir je hatten“, heißt es im Betrieb.

Und das, obwohl viele Mitarbeiter anfangs skeptisch waren, wegen der Sprache, wie Lars Michalski erzählt. Die Sorgen erwiesen sich als unbegründet, denn „Carlos hat im Vorfeld nicht nur einen Deutschkurs gemacht, sondern spricht auch gut Englisch, und außerdem kann man sich immer noch irgendwie mit Hand und Fuß verständigen.“

Um Carlos´ Einreise so leicht wie möglich zu machen, hat die Arbeitsagentur mit AS zusammengearbeitet und sich um die Formalitäten gekümmert. Zuschüsse für Lebensunterhalt und Heimreisen bekommt der Azubi durch das Förderprogramm „The Job Of My Life“. Bei Wohnungssuche und Behördengängen war ihm Lars Michalski behilflich und auch in puncto Freizeitgestaltung kümmert sich der Geschäftsführer um seinen neuen Mitarbeiter, nimmt ihn zum Beispiel mit zum Fußball.

Carlos bereut es nicht, nach Deutschland gekommen zu sein: „Die Arbeit macht mir Spaß, und bis auf das schlechte Wetter ist es gar nicht so anders als bei mir zu Hause in Pamplona.“

Was ihm hier besonders gefalle? „Die offene Art der Menschen und die Currywurst“, lacht er. Und Michalski würde auch in Zukunft wieder einen Azubi aus Spanien einstellen. „Auch anderen Unternehmen mit Nachwuchsproblemen kann ich das nur ans Herz legen“, sagt er. „Schließlich müssen wir uns alle auf den demographischen Wandel vorbereiten.“                       

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