Joachim Kohlhage macht sich stark für die Sekundarschule

„Schulform Realschule nicht bewahrenswert“

6. Februar 2014, 19:09 Uhr

„Die Stadt Velbert würde eine riesige bildungspolitische Chance vertun, wenn es nicht zur Gründung der Sekundarschule in Neviges käme“, davon ist Joachim Kohlhage überzeugt.

Das Anmeldeteam der Sekundarschule: Von links Joachim Kohlhage, Dorothee Kleinherbers-Boden (Leiterin Gesamtschule Else Lasker-Schüler Wuppertal) und Silvia Fehlenberg (Ganztagskoordinatorin an der Gesamtschule Heiligenhaus).

Foto: Sekundarschule Velbert-Neviges
Velbert -

Der Leiter der Hauptschule Hardenbergschule entwickelte zusammen mit Lehrern der Heinrich-Kölver-Realschule und des Gymnasiums Langenberg das Konzept für die Sekundarschule und wird auch Teil des Teams sein, das ab Montag die Anmeldungen entgegen nimmt. 75 Schüler müssen es sein, damit die Sekundarschule am Sommer in den Räumlichkeiten der Hardenbergschule ihren Betrieb starten kann.  
Dass „seine“ Hauptschule ein Auslaufmodell ist und keine neuen Schüler mehr aufnehmen wird, sieht Kohlhage eher pragmatisch. „Die Zahlen sind ganz klar, aufgrund der niedrigen Geburtenrate wird es in ein paar Jahren nicht mehr genug Klassen geben.“
Dass sich dagegen so viele Eltern und Lehrer für den Erhalt der Realschule einsetzen, kann er nicht verstehen. „Die Heinrich-Kölver-Schule war wesentlich an der Planung der Sekundarschule beteiligt und im Herbst kam es dann plötzlich zu diesem Kurswechsel. Dabei bliebe die Realschule für alle jetzigen Schüler ja auf jeden Fall bis zu ihrem Abschluss erhalten, nur für zukünftige Jahrgänge wären keinen Neuanmeldungen mehr möglich. Statt die Chance zu nutzen, aktiv den Aufbau von etwas Neuem mitzugestalten, wollen die Eltern an etwas festhalten, was ihre Kinder gar nicht mehr betrifft.“  
Für Kohlhage liegen die Vorteile einer Sekundarschule klar auf der Hand: Um eine Klasse zu bilden, reichen schon 20 Schüler aus, während für die Realschule 26 gesetzlich vorgeschrieben sind. Gleichzeitig habe die Sekundarschule mit ihrem Ganztagsbetrieb rund 20 Prozent mehr Lehrerstellen zu besetzen, so dass auf 16 Schüler eine Lehrkraft käme und nicht auf 21 wie in der Realschule. Am wichtigsten aber: „Es gäbe kein Abschulen mehr. Kaum etwas ist für die Schullaufbahn eines Kindes so schlimm, wie ein Schulwechsel wegen zu schlechter Noten. Wenn Schüler von der Realschule zur Hauptschule wechseln, haben sie oft nicht nur mit ihrem Selbstwertgefühl zu kämpfen, sondern verlieren auch ihr bisheriges soziales Umfeld. In der Sekundarschule entfällt das, weil ohnehin alle an einer Schule unterrichtet werden.“
Dass Lehrer und Eltern an „ihrer“ Heinrich-Kölver-Schule hängen, kann Kohlhage durchaus verstehen, denn sie habe einen guten Ruf in Velbert. Sollte die Realschule erhalten bleiben, würde die Freude darüber aber nicht lange anhalten, prognostiziert der Pädagoge, denn durch das Auslaufen der Hardenbergschule müsste man zukünftig auch die Schüler mit Hauptschulempfehlung aufnehmen. „Und dann wird man bedauern, dass die Chance zur Neugründung nicht genutzt wurde. Die Heinrich-Kölver-Realschule wäre dann de facto ohnehin eine Sekundarschule, aber unter anderem Namen und mit deutlich schlechteren Unterrichtsbedingungen.“

Anzeige