Eine Polemik zur neuen Verkehrslage in der Mettmanner Innenstadt

Willkommen im Chaos

17. Juni 2017, 18:32 Uhr

Autofahrer, kommst du nach Mettmann... Oh nein: Bloß das nicht.

Nichts geht mehr. Szene aus der Mettmanner City.

Nichts geht mehr. Szene aus der Mettmanner City.

Foto: Hans-Joachim Kling
Mettmann -

In der Kreisstadt hat ja schon immer das Ampel-Chaos ganz besondere Früchte getragen. Wie die legendäre Kombination auf der Flintrop-Straße: Ampel zur Schwarzbachstraße, 30 Meter weiter Ampel zur Poststraße, noch ein paar Schritte Ampel zur Fußgängerzone und dann - krönender Abschluss - Ampel Breite Straße/Talstraße.

Das brachte den Autofahrer zur Verzweiflung. Dachte er bisher. Soll er jetzt mal kommen. Er wünscht sich zurück in die seelige Zeit der roten Ampeln. Denn: Mettmann baut um. Willkommen im Chaos.

Nein, das ist hier keine objektive Berichterstattung, hier kommen nicht alle Für und Wider zu Wort. Das haben wir in den letzten Ausgaben genug gehabt. Das hier ist eine Polemik. Ungerecht und einseitig.

Mettmann baut die Innenstadt um. Wenn du nur ein paar Kilometer weiter in der Nachbarschaft erzählst, versuchst zu erzählen, was sie da vor haben, "Netztrennung" genannt, dann packen sich die Menschen an den Kopf. "Die spinnen, die Römer", sagten sie bei Asterix. Nur, dass hier keine Römer am Werk sind.

Der Umbau erster Teil heißt: Die Breite Straße ist nur noch in eine Richtung zu befahren, hat nur noch eine Spur in diese Richtung. Und am Straßenrand stehen staunend Menschen und können nicht glauben, was sie sehen: Eine Blechlawine, die sich zurückstaut weit hoch bis auf die Flintrop-Straße. Nichts geht mehr. Schritttempo wäre rasend.

Du kannst an der Schlange vorbeiwandern, ausgiebig Fotos machen, von links, rechts, oben und unten. Und wenn du zurückkommst, sind alle noch da. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre.

"Ach hören Sie bloß auf", sagen die Menschen in den Geschäften, wenn du sie drauf ansprichst. (Besser nicht!) Und holen die Unterschriftenliste raus, mit der sie einen Bürgerentscheid erreichen wollen, der das Ganze noch stoppt.

Derweil sitzen sie immer noch in ihren Autos vor der Breite Straße und denken: Warum müssen solche Planungen ausgerechnet Menschen machen, die davon aber auch rein gar keine Ahnung haben. Dabei: Das ist ja gewollt. Die Verengung, die jetzt durch die Baustelle entsteht, ist ja Konzept.

Sie wollen ja die Autos raus aus der Stadt haben, weshalb sie ja schon gar keine Parkplätze anbieten. Beispiel Brötchentaste: In der Viertelstunde, die da kostenfrei ist, hast du nicht mal den Weg zum Bäcker geschafft, soweit weg ist der Parkplatz.

Eigentlich müsste das Land ja eine Reisewarnung rausgeben: Fahren Sie bitte nicht nach Mettmann! Wer jetzt meint, das wäre übertrieben: Es gibt Menschen, die wollen mit Bussen zur Regiobahn. Diese Busse werden mitten rein in das Chaos geführt. Da bekommst du den nächsten Zug nicht und den übernächsten auch nicht. Vielen Dank auch im Namen aller Berufspendler an dieser Stelle!

Es gibt Städte, die bauen einen zentralen Busbahnhof in der Innenstadt, bieten Parkplätze in der Nähe der City an, damit möglichst viel Leben in der Stadt herrscht. Auch in Mettmann haben sie die Fußgängerzone sehr schmuck neu gestaltet. Warum eigentlich? Kommt ja eh keiner mehr hin.

 

 

 

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